Historisches zum Metzgerwirt

Metzgerwirt:

Seit langer Zeit (genaueres konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen) gibt es im Ort mit dem Metzgerwirt einen 2. Gasthof mit eigener Metzgerei. Um ca. 1880 war als Besitzer ein gewisser Brummer verzeichnet, dessen Abkömmlinge waren dann auch im heutigen Gasthof Hepting in Massenhausen anzutreffen. Durch Heirat ging der Besitz dann um ca. 1900 über an Fam. Heinrich über. Zur Wirtschaft gehörte wie damals auf dem Lande üblich, noch die Ökonomie und eine Metzgerei. Heute würde man von einem „regionalen Selbstversorger“ sprechen, damals war es in vielen Dörfern aber genauso; Giggenhausen war damals noch ein reines „Bauerndorf“ mit den dazugehörigen Handwerkern (Schmiede, Sattler, Wagner, Zimmerer, Maurer, Schneider, Kramerei usw.). Damals leistete sich der Ort mit seinen vielleicht 300 Einwohnern den Luxus von 2 Wirtschaften. Die Leute arbeiteten und lebten hauptsächlich in Giggenhausen und versorgten sich so gut es ging selbst;

Obwohl die Zeiten in den 20-Jahren des letzten Jahrhunderts sicherlich schwierig und entbehrungsreich waren hielt man zusammen und gründete auch neue Vereine. Da, wie schon erwähnt, der Krieger- und Veteranenverein sowie die Feuerwehr ihre Heimat beim Grafwirt hatten war Lorenz Heinrich bemüht andere Vereine in seine Wirtschaft zu bekommen. Er war maßgeblich an der Gründung des Schützenvereins „Eintracht“ (1920) und des Gesangvereins „Einigkeit“ (1922) beteiligt. Die Vereine etablierten sich und so gab es bis zum 2. Weltkrieg beim Metzgerwirt reges Treiben. In den 50-Jahren konnte man sich von den Kriegswirren befreien und es begann eine „gute Zeit“! Als dann Mitte der 60-Jahre die alten Wirtsleute verstarben und die einzige Tochter Käthe nach Odelzhausen heiratete wurde die Wirtschaft verpachtet. Dies war nicht immer einfach, erst als 1974 Ludwig und Rosa Huber die Wirtschaft übernahmen gab es wieder Kontiunität beim Metzgerwirt. Nachdem es Anfang der 80-Jahre vorgenannte Probleme beim Grafwirt gab suchten nach und nach der Krieger- und Soldatenverein, die Freiwillige Feuerwehr, der Opa und Oma Verein und der Maibaum (Burschen) Verein eine neue Heimat. Hier wurden sie von der Fam. Huber gerne aufgenommen. 1985 wurde nach jahrelanger „Ruhephase“ der Gesangsverein wieder aktiviert. Aus dem Einakter „Ein Münchner im Himmel“, das zur Weihnachtsfeier des Schützenverein gespielt wurde etablierte sich eine junge Theatergruppe. Sie schlossen sich den Maibaumfreunden an und seit 1987 ist das jährliche Theater und der Tanz in den Mai aus Giggenhausen nicht mehr wegzudenken. Leider beendete Fam. Huber 1991 ihre Aktivitäten als Wirt, und wir (Giggenhausen und die Vereine) waren wieder auf Pächtersuche.  Dem Hofbrauhaus Freising gelang es zwar für die Zeit von 1991 bis 1995 wieder Pächter zu finden, aber eine gesicherte Zukunft für das Vereinsleben in Giggenhausen war nicht gegeben. Nachdem das FFW-Gerätehaus nicht mehr den modernen Gegebenheiten gerecht war beschloss die Gemeinde Neufahrn unter Bürgermeister Bernhard ein neues Feuerwehrhaus mit Florian-Stüberl zu errichten. Aufgrund der ungewissen Zukunft beim „Metzgerwirt“ wurden Planungen für ein „allgemeines Vereinshaus“ integriert und auch so gut wie möglich umgesetzt.

Durch eine glückliche Fügung und die tatkräftige Unterstützung von Gebietsleiter Robert Nieder, dem damaligen Vorstand des Männergesangsverein Anderl Stegschuster und dem damaligen Ersten Bürgemeister der Gemeinde Neufahrn Rainer Schneider konnte uns das Hofbrauhaus Freising dann doch noch eine Übergangslösung für unseren „Metzgerwirt“ präsentieren. Die Übergangslösung hieß Elisabeth Kratzer und Hermann Kieslinger und dieses Provisorium hält bis heute (2021). Nach kurzer, intensiver Einarbeit reifte bei den beiden der Entschluss die Wirtschaft zu kaufen, komplett zu renovieren und zu erweitern. In der Rekordzeit von 8 Monaten wurde im April 1999 das Projekt begonnen, feierliche Eröffnung war am Samstag, den 18.12.1999 bei der Dorfweihnachtsfeier! Der Ersatzwirtschaft im Baucontainer trauern heute noch viele Stammtischbrüder nach! Jetzt gab es einen großen, behindertengerechten Saal, eine moderne Gaststube, schöne Fremdenzimmer und einen eigenen Schießstand im Keller. Giggenhausen war gerüstet für das neue Jahrtausend!

Unsere Elisabeth ist für Giggenhausen ein Glücksfall und wurde auch zu einer „sozialen Institution“. Sie ist Kummerkasten und Beichtvater für die Stammtische. Für den Theaterverein stellt sie den Saal jeweils für 3 Monate zum Proben und für die Aufführungen zur Verfügung. Der Schützenverein kann im Keller seinem Hobby nachgehen. Die wöchentlichen Gesangsproben im Saal sind obligatorisch. Die Veranstaltungen und die Gymnastik-Runde des Opa und Oma Vereins sind immer gut besucht. Nach der Gründung des Oldtimer-Vereins opferte sie sogar ihren Ruhetag um ihnen regelmäßige Treffen zu ermöglichen. Beim Fan-Club der „Berglöwen“ ist sie Gründungsmitglied und treibende Kraft.

 

Besitzer vom Metzgerwirt:

  • Brummer Georg 1880
  • Heinrich 1900
  • Lechner Georg 1905
  • Heinrich Lorenz 1933
  • Stangl Katharina (Tochter) 1964
  • Daiminger 1981
  • Kratzer Elisabeth 1999
  • ????? 2021

 

Unsere Wirte:

  • Lorenz und Katharina Heinrich (1920 – 1966) (Besitzer)
  • Franz Bischoff                (1967 – 1970) (Pächter)
  • Wally Geier          (1971 – 1974) (Pächter)
  • Ludwig und Rosa Huber          (1974 – 1991) (Pächter)
  • Heidi und Harald Stanger (1991 – 1994) (Pächter)
  • Steiglechner                (1994 - 1995) (Pächter)
  • Elisabeth Kratzer                           (1995 – Heute) (bis 1999 Pächter, seitdem Besitzer)

 

Erinnerungen an Fam. Heinrich:

  • Es waren gesellige, bodenständige Wirtsleut
  • Der „Lenz“ war maßgeblich an der Vereinsgründung der Eintracht-Schützen beteiligt
  • Hatte von Anfang an einen eigenen Zimmerstutzen, der auch als Vereinswaffe diente
  • Tochter Käthe war bereits 1959 Schützenkönigin in unserem Verein (zu dieser Zeit waren Frauen im Schützensport noch eine Rarität!)
  • Als einer der wenigen Autobesitzer fuhr er mit gleichgesinnten (Trostl Josef, Steindl Georg, Nett Johann, Kramer(Moosrainer) Hans usw.) zu Preisschießen in der Umgebung 

 

Erinnerungen an Franz Bischoff:

  • War bestrebt den Gasthof mit Wirtschaft weiter zu betreiben
  • Als Metzgermeister hat er auch das Schlachthaus und den Laden betrieben
  • Ermöglichte so den Schützen weiter in ihrem Vereinslokal zu bleiben

 

Erinnerungen an Wally Geier:

  • Der Betrieb wurde damals schon im „Nebenerwerb“ geführt
  • Der Ehemann war Berufssoldat bei der Luftwaffe in Freising

 

Erinnerungen an Ludwig und Rosa Huber:

  • Maßgeblicher Unterstützer bei der Einführung unseres Schützenjahrtages; dieser wird seit 1974 mit der Lerchenfelder Blaskapelle gefeiert!
  • Stifter unserer Jugend-Schützenkette im Jahr 1981
  • Ludwig war selbst begeisterter Schütze bei den „Isaria“-Schützen in Neufahrn
  • Gründungsmitglied beim Gesangsverein, begeisterter Sänger
  • Gönner und Förderer aller Vereine
  • Rosa: „Fenster und Türen zur Gaststube auf“ heißt „zahlen, Feierabend!“

 

Erinnerungen an Heidi und Harald Stanger:

  • Gutes Essen, fränkische Kost
  • Heimische Weide-Rinder wurden in „Nacht und Nebelaktionen“ nach Franken exportiert!     
  • Glöckerl-Alm Wirt „Toni“     

 

Erinnerungen an Steigi:

  • Weihnachtsfeier mit „beflügelten“ Bedienungen
  • Heiße Abende in der Rockbar „Linientreu“ mit LIVE-Musik
  • Schießbetrieb über „Berge von verdreckter Gläsern“

 

Elisabeth Kratzer:

  • Wurde uns vom Hofbrauhaus als „Übergangslösung“ vorgestellt
  • Hat die Wirtschaft von „Null“ wieder auf die „Füße gestellt“
  • Erwerb des „Metzgerwirt“ 1999
  • Erweiterung und Renovierung des „Metzgerwirt“
  • Einbau unseres Schützenstandes im Keller
  • Förderer und Unterstützer aller Dorf-Vereine

 

Der Metzgerwirt heute:

Nachdem der „Grafwirt“ Anfang der 80-Jahre diverse Wandlungen vom „Nachtlokal“ bis zum heutigen Speiselokal genommen hat waren dort die ansässigen Vereine nicht mehr so gern gesehen. Heute ist der „Metzgerwirt“ Treffpunkt und Vereinslokal folgender Vereine:

 

  • Schützenverein „Eintracht“
  • Männergesangsverein „Einigkeit“
  • Krieger- und Soldatenverein
  • Maibaum und Theaterverein
  • OPA und OMA-Verein
  • Berglöwen
  • Oldtimer-Verein Giggenhausen-Schaidenhausen
  • Versammlungsstätte der Freiwilligen Feuerwehr
  • Versammlungsstätte der Giggenhauser Stockschützen

 

 

Exkurs "Grafwirt" (heute "Slavonja"):

Die ältere Dorfwirtschaft ist der Grafwirt. Erste Urkundliche Aufzeichnungen gehen zurück bis auf das Jahr 1391. Damals wurde die „Taferne“ an den Abt von Weihenstephan verkauft und blieb Klostereigentum bis zur Säkularisation (1803). Zum Grafwirt gehörte eine große Landwirtschaft, eine große Wirtschaft mit Tanzboden und sogar eine Kegelbahn hat es mal gegeben. Er hatte das Privileg sich „Tafernwirt“ zu nennen. Da es in der letzten Generation der Fam. Graf keinen Nachfolger mehr gab (Martin, Schorsch, Sepp und Leni waren Kinderlos) wurde das Anwesen 1958 an die Bayrische Landessiedlung verkauft, von der zertrümmert, die Gebäude neu erbaut und weiter an Franz Hermannsdorfer veräußert. Fam. Hermannsdorfer betrieb die Gastwirtschaft mit dem landwirtschaftlichen Betrieb bis ca. 1980 und verkaufte dann weiter an Fam. Schredl aus Eching. Die Brauerei versuchte aus der Dorfwirtschaft ein Speiselokal zu machen, was aber nicht von Erfolg gekrönt war. Auch eine Tabledance-Bar konnte sich (wider Erwarten?) in Giggenhausen nicht wirklich etablieren! Die Ortsvereine (Kriegerverein, Feuerwehr, Maibaumverein Opa und Oma Verein), die immer ihre Heimat beim Grafwirt hatten waren gezwungen zum Metzgerwirt umzuziehen! Seit ca. 1992 ist beim Grafwirt das kroatische Speiselokal „Slavonia“ beheimatet.

 

Mittlerweile ist der Metzgerwirt in Giggenhausen nicht nur Treffpunkt der Vereine sondern auch Mittelpunkt bei diversen Familienfeiern, Ort verschiedener Stammtische, Versammlungsstätte für gemeindliche und kirchliche Versammlungen usw.

 

                                                                             

 

                                                                       

© 2021 Team Dorfwirtschaft Giggenhausen